Hamburg lebt nicht nur vom Hafen, vom Tourismus und von ein paar großen Namen – sondern vor allem von den vielen kleinen und mittleren Unternehmen, die unsere Stadt in den Quartieren Tag für Tag tragen. Rund 99 Prozent aller Hamburger Unternehmen gehören zum Mittelstand.

Sie sind Innovationstreiber, Beschäftigungsmotor und in vielen Branchen das Rückgrat der Ausbildung. Gerade in einer Handels- und Dienstleistungsstadt wie Hamburg sorgen diese Betriebe dafür, dass es in den Stadtteilen Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze, Versorgung, persönliche Beratung und ein Stück soziale Stabilität direkt vor Ort gibt – wie die Handelskammer Hamburg immer wieder betont.

Jeder Klick ist eine Entscheidung

Wenn du also bei einem anonymen Online-Riesen bestellst, ist das nicht nur eine private Kaufentscheidung. Es ist auch eine Entscheidung darüber, welche wirtschaftlichen Strukturen in Hamburg Zukunft haben. Studien und Analysen zum Online-Handel zeigen seit Jahren, dass die Verlagerung von Umsätzen ins Netz den stationären Handel unter Druck setzt, Margen schmälert und Schließungen beschleunigen kann – selbst wenn der Großteil des gesamten Einzelhandelsumsatzes weiterhin stationär erwirtschaftet wird.

Parallel dazu wächst der Online-Handel seit Jahren deutlich schneller als der stationäre Handel. In Deutschland ist der E-Commerce-Umsatz seit Mitte der 2000er-Jahre auf ein Mehrfaches gewachsen, wie d-velop in einer Branchenanalyse zeigt.

Für Deutschland kommt hinzu, dass Amazon im Online-Handel eine dominierende Stellung erreicht hat.

Auswertungen auf Basis von Handelsverbands- und Marktdaten zeigen, dass über Amazon (Eigenhandel und Marketplace) inzwischen rund 60 Prozent des gesamten Online-Umsatzes abgewickelt werden, während der restliche Online-Handel auf viele andere Anbieter verteilt ist. Statista-Daten zum Amazon-Marktanteil unterstreichen: Ein erheblicher Teil der Kaufkraft konzentriert sich auf wenige Plattformen, statt in lokalen Wirtschaftskreisläufen, Handwerksbetrieben und inhabergeführten Geschäften zu bleiben.

Was das konkret für Hamburg bedeutet

Was abstrakt klingt, wird in Hamburg sehr konkret spürbar. Marktberichte und Standortanalysen beschreiben seit Jahren, wie der zunehmende Online-Handel, die Folgen der Pandemie und weitere Krisen den stationären Einzelhandel unter Druck setzen. Eine Studie des Handelsverbands HDE und des BBSR zeigt die räumlichen Auswirkungen des Online-Handels auf Innenstädte, Stadtteil- und Ortszentren.

Leerstände, häufigere Mieterwechsel und die Verdrängung kleiner Läden durch Ketten oder Dienstleistungsangebote sind sichtbare Symptome einer Struktur, die ins Wanken gerät.

Das ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern auch ein gesellschaftliches. Wenn inhabergeführte Geschäfte verschwinden, verliert Hamburg nicht einfach Verkaufsflächen – sondern Begegnungsräume, Vertrauensbeziehungen und niedrigschwellige Hilfe im Alltag. In vielen Quartieren ist der Laden an der Ecke nicht nur ein Ort, an dem du etwas kaufst, sondern einer, an dem man dich kennt, ein kurzes Gespräch führt, bei Bedarf etwas anschreiben lässt oder dir ganz praktisch hilft – von der Paketannahme bis zur schnellen Empfehlung für einen Handwerker. Davon sind wir heute weit entfernt.

Die Wirtschaftskammern der Metropolregion Hamburg betonen genau das: Sie sind Stimme und Netzwerk dieser lokalen Strukturen.

Mehr als Nostalgie – der Mittelstand als Rückgrat

Gerade in einer Stadt mit vielen Stadtteilzentren und gewachsenen Nachbarschaften hängt die Lebensqualität davon ab, dass es solche Orte weiterhin gibt. Wer ausschließlich dort einkauft, wo der Preis auf dem Bildschirm am niedrigsten erscheint, fördert ungewollt eine Entwicklung, in der Vielfalt verloren geht und die Abhängigkeit von wenigen Großkonzernen wächst.

Dabei ist der Mittelstand in Hamburg weit mehr als eine nostalgische Erinnerung an „früher". Die Handelskammer bezeichnet sich explizit als Stimme des Mittelstands und betont, dass kleine und mittlere Unternehmen für Innovationskraft, Beschäftigung und internationale Verbindungen stehen. Diese Unternehmen sind nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Ausbildungsbetriebe, Auftraggeber für andere lokale Firmen und Stützen des gesellschaftlichen Lebens – ob als Sponsor von Jugendmannschaften, als Unterstützer von Kulturveranstaltungen oder als Partner sozialer Projekte wie unseres. Zahlen und Einordnungen dazu bietet das Institut für Mittelstandsforschung (IfM Bonn).

Resilienz beginnt beim Einkaufen

Wenn diese Struktur brüchig wird, betrifft das nicht nur Ladeninhaber, sondern auch Familien, Nachbarschaften und die Frage, wie resilient Hamburg in Krisenzeiten überhaupt noch sein kann. Mittelstands- und Regionalanalysen zeigen, dass Regionen mit einem starken, divers aufgestellten Mittelstand in wirtschaftlichen Krisen oft stabiler sind, weil Wertschöpfung und Entscheidungsstrukturen vor Ort bleiben.

Der KfW-Mittelstandsatlas 2024 belegt: Resilienz heißt, eine Stadt kann Schocks besser abfedern, weil sie nicht vollständig von einigen wenigen globalen Akteuren abhängig ist. Deshalb lohnt sich ein bewussterer Umgang mit dem eigenen Einkauf. Wenn du ein Produkt online günstiger findest, musst du das nicht schweigend akzeptieren.

Studien zum Verhalten im stationären Handel zeigen, dass viele Geschäfte bereit sind, auf Preisvergleiche einzugehen, Alternativen anzubieten oder Produkte zu bestellen, die gerade nicht im Regal stehen. Manche Händler bieten mittlerweile sogar hybride Lösungen an: Du bestellst online, holst vor Ort ab oder lässt dir aus dem lokalen Geschäft liefern – damit bleiben Umsatz und Kontakte in der Region, wie eine Bitkom-Studie zu E-Commerce und stationärem Handel zeigt. Und auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hat sich eingehend mit dem Spannungsfeld zwischen stationärem Handel und Online-Handel beschäftigt.

Ein kurzes Gespräch mit dem Händler deines Vertrauens kann aus einem scheinbaren Preisnachteil eine faire, lokale Lösung machen, von der beide Seiten profitieren. Hier beginnt Resilienz im Alltag: nicht erst bei großen Strategiepapieren, sondern bei der Frage, wie du heute einkaufst, mit wem du sprichst und welche Beziehungen du pflegst.

Eine Familie, die einfach da war

Und dann gibt es da noch etwas, das sich in keiner Statistik messen lässt – aber vielleicht am stärksten berührt. Ich wollte euch eigentlich eine Familie vorstellen, die mich nicht kannte und trotzdem sofort bereit war, mich ein kleines Stück zu tragen, ohne auch nur eine Frage zu stellen. Es klingt vielleicht komisch, aber meine tiefe Überzeugung ist:

Diese Menschen hier vor Ort, die die Dinge wirklich beurteilen können und einem nicht nur das Geld aus der Tasche ziehen, sind wichtiger als jedes Online-Schnäppchen. Ich hoffe, ich darf über diese Familie noch genauer erzählen – wir werden sehen.

Lokale Initiativen als Antwort

Resilienz bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur persönliche Widerstandskraft, sondern auch die Fähigkeit einer Stadt, ihre Versorgung, ihr Miteinander und ihre wirtschaftlichen Grundlagen unter Druck aufrechtzuerhalten. Lokale Initiativen und Programme in Hamburg und bundesweit zeigen, dass widerstandsfähige Strukturen dort entstehen, wo Menschen sich vernetzen, Verantwortung teilen und Wertschöpfung bewusst in der Region halten – etwa durch regionale Lieferketten, Kooperativen oder solidarische Modelle. Das E-Magazin der Hamburger Wirtschaft berichtet regelmäßig von solchen Projekten und Menschen, die genau das leben.

Mittelstand, Nachbarschaft und zivilgesellschaftliche Projekte sind dabei keine getrennten Welten, sondern natürliche Verbündete. Genau an diesem Punkt setzt Gemeinsam Resilient an. Das Projekt versteht sich als Hamburger Initiative für nachhaltige Gemeinschaft, Foodsharing, Gärtnern, Patenschaften und Resilienz im Alltag – und knüpft damit bewusst an lokale Beziehungen und gegenseitige Unterstützung an. Ihr verbindet Fragen der Versorgung (gemeinsames Essen, Lebensmittel retten, Gärten nutzen) mit sozialem Miteinander und der Idee, dass Krisenvorsorge im Alltag beginnt, nicht erst im Katastrophenfall.

Natürlich mit der Hoffnung das die in Berlin sich noch einkriegen!.

Werde Teil davon – als Partner, Förderer oder einfach als Mensch

Damit solche Strukturen wachsen können, braucht es nicht nur gute Ideen, sondern auch tragfähige Partnerschaften. Deshalb suchen wir weitere Sponsoren, Förderer und Kooperationspartner, die gemeinsam mit dem Hamburger Mittelstand mehr Resilienz bewirken wollen – sei es durch finanzielle Unterstützung, Sachleistungen, Veranstaltungsorte, Vernetzung oder konkrete Zusammenarbeit in den Stadtteilen.

Denkbar sind Patenschaften von Unternehmen für einzelne Projekte, gemeinsame Veranstaltungen, Bildungsangebote für Mitarbeitende oder Kooperationen rund um gesunde Ernährung und lokale Versorgung. Wenn dich das anspricht – melde dich. Wir freuen uns auf jedes Gespräch.

Der entscheidende Punkt ist einfach: Mit jedem Einkauf, jedem Gespräch und jeder Kooperation triffst du eine Wahl, ob Hamburg seine lokalen Strukturen stärkt oder sich weiter in anonyme Plattform-Ökonomien hineinzieht. Wer den Mittelstand stärkt, stärkt nicht nur Unternehmen – sondern auch die Fähigkeit der Stadt, Krisen zu überstehen, Nachbarschaften lebendig zu halten und Menschen vor Ort echte Unterstützung zu bieten. Genau darum geht es: nicht nur über Resilienz zu sprechen, sondern sie gemeinsam mit dem Mittelstand praktisch aufzubauen – in Fuhlsbüttel, in der Innenstadt und in all den Quartieren, in denen Hamburg jeden Tag neu entsteht.

Weiterführende Links

Thema

Quelle

Anteil Mittelstand in Hamburg

Hamburgs starker Mittelstand – Hamburger Wirtschaft

KMU-Dichte und Mittelstand bundesweit

Unternehmensbestand – IfM Bonn

Rolle der Kammern in Hamburg

Wirtschaftskammern – Metropolregion Hamburg

Amazon-Dominanz im Überblick

Statista-Infografik: Amazon-Anteil am Einzelhandel

Amazon-Anteil am Online-Umsatz

Statista: Umsatzanteil Amazon am Online-Handel Deutschland

Online- vs. stationärer Handel

Studie HDE/BBSR – räumliche Auswirkungen

Entwicklung E-Commerce-Anteil

d-velop: Zukunft des Einzelhandels

Hybridmodelle und Corona

Bitkom-Studie: E-Commerce und stationärer Handel 2020

Wissenschaftliche Einordnung Bundestag

Wissenschaftlicher Dienst: Stationärer Handel und Online-Handel

Regionaler Mittelstand & Resilienz

KfW-Mittelstandsatlas 2024

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