Von jojo
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08 Jul
08Jul

Der Krieg gegen Iran, Trumps Drohungen und die Straße von Hormus klingen wie weit entfernte Geopolitik – und trotzdem landen sie innerhalb weniger Wochen direkt an der Tankstelle in Langenhorn, in der Nebenkostenabrechnung in Hamburg-Nord und in den Regalen unserer Supermärkte. 

Dieser Text versucht, die Lage sachlich einzuordnen und gleichzeitig zu zeigen, warum Projekte wie Gemeinsam Resilient jetzt wichtig sind: 

nicht als „letzter Ausweg“, sondern als kluge Ergänzung zu einem System, das sich sichtbar nicht mehr um jede einzelne Nachbarschaft kümmern kann.


Was gerade global passiert – und warum es uns betrifft

Seit Ende Februar führen die USA unter Präsident Donald Trump gemeinsam den Israel-Krieg gegen Iran und verbündete Gruppen. Im Zentrum steht die Straße von Hormus – ein enger Seeweg, durch den ungefähr ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs und rund 20 Prozent des globalen LNG (Flüssigerdgas) laufen. 

Angriffe auf iranische Infrastruktur, Raketen auf Tanker, ein zeitweise nahezu stillstehender Schiffsverkehr: all das ist kein abstraktes Szenario, sondern bereits Realität.

Europa hat seine Energieversorgung nach dem Ukraine-Krieg breiter aufgestellt, aber bleibt Teil dieses Weltmarkts. Die Europäische Kommission beziffert allein die kurzfristigen Mehrkosten für fossile Energieimporte durch den Iran-Konflikt auf rund 47 Milliarden Euro – nicht für zusätzliche Energie, sondern für die gleiche Menge zu höheren Preisen. Der Krieg hat keine akute Versorgungsnot ausgelöst, aber einen deutlichen Preisschock: Brent-Öl verteuerte sich von etwa 70–75 auf 90–97 US-Dollar pro Barrel, der europäische Gaspreis kletterte deutlich.

Kurz: Die Lichter gehen nicht aus, aber wir zahlen kräftig drauf – als Staat, als Unternehmen und als einzelne Person.


Trumps "vier Wochen" – ein Einblick in die Verwundbarkeit des Systems

Auf dem G7-Gipfel in Frankreich sagte Trump sinngemäß: „Wir wären in etwa vier Wochen mit den Reserven am Ende gewesen.“ Gemeint sind nicht alle Ölquellen der Welt, sondern die Kombination aus kommerziellen Vorräten und strategischen Reserven, die durch Krieg, Blockaden und Freigaben aus Notlagen stark geschrumpft sind.

Die US-Strategische Ölreserve ist laut Berichten auf den niedrigsten Stand seit den 1980er-Jahren gefallen. Ähnliche Warnungen gibt es für andere OECD-Staaten: 

Die Lager sind technisch nicht leer, aber deutlich kritischer befüllt als in „normalen“ Jahren. 

Diese Ehrlichkeit auf einem G7-Gipfel zeigt, wie dünn der Puffer ist, den das System noch hat. Wenn zentrale Energiewege – wie die Straße von Hormus – längere Zeit gestört bleiben, entsteht aus einem „Preisschock“ sehr schnell eine echte Versorgungskrise.

Für Projekte wie Gemeinsam Resilient ist diese Aussage zwar keine Panik Vorlage, aber ein wichtiges Signal: 

Das große System ist verwundbar, und wer nur auf „die werden das schon regeln“ hofft, baut seine Zukunft auf sehr wackelige Beine.

Warum Trump im Iran weiter macht – und welche Rolle Öl spielt

Offiziell begründet Trump die Angriffe mit Sicherheit: Iran habe Schiffe und Tanker angegriffen, gegen das Abkommen verstoßen und betreibe weiter Raketen- und Nuklearprogramme. Analysen von Think Tanks und Medien zeigen jedoch, dass die Motive gebündelt sind: 

Machtpolitik in der Region, innenpolitische Profilierung – und sehr deutlich Energie- und Interessen.
Der Krieg hat das größte Angebot Ausfälle in der Geschichte des Marktes ausgelöst. 

US-Ölvorräte liegen so niedrig wie seit zwei Jahrzehnten nicht, die globalen Puffer sind geschrumpft. Ein Insider aus seinem Umfeld spricht offen davon, dass es „im Kern“ um Irans riesige Ölreserven und um langfristige Kontrolle über Energiequellen geht. Trumps „vier Wochen“-Satz ist damit nicht nur eine Zustandsbeschreibung, sondern ein Hinweis darauf, wie sehr ihn die wirtschaftliche Verwundbarkeit unter Druck setzt.

Für uns vor Ort heißt das: Die Lage ist nicht zufällig, sondern Ergebnis einer Politik, die Kriege als Werkzeug nutzt, um Rohstoffe und Macht zu sichern – und deren Kosten später über Preise und Steuern in jeder Stadt durchgereicht werden.


Was das konkret für Hamburg bedeutet

Hamburg ist keine Ölstadt, sondern eine Handels- und Logistikdrehscheibe, eingebunden in globale Lieferketten. Wenn Öl und Gas teuer bleiben, spüren das Menschen in der Region auf mehreren Ebenen:

Tanken und Energie zu Hause:  
Diesel- und Benzinpreise in Deutschland sind nach Beginn des Iran-Kriegs deutlich gestiegen, zeitweise auf Rekordstände. In den letzten Wochen waren sie wieder etwas gesunken, bleiben aber höher als vor Kriegsbeginn und reagieren sensibel auf neue Eskalationen. 

Gas- und Strompreise sind ebenfalls gestiegen, wenn auch nicht so dramatisch wie in der Ukraine-Krise, und schlagen über Nebenkosten und Tariferhöhungen auf Haushalte durch.

Verkehr und Logistik.

Höhere Dieselpreise verteuern ÖPNV, Lieferdienste, Bau- und Handwerksleistungen; steigende Frachtkosten wirken sich auf Preise von Lebensmitteln und Gütern aus, die über den Hafen kommen.

Unternehmen und Projekte:

Kleine Betriebe, Vereine und soziale Initiativen müssen stärker kalkulieren, wie viel für Energie, Transport und Materialien draufgeht. Investitionen werden verschoben, Budgets knapper, Risiken größer.

Die gute Nachricht ist: 

Europa und Deutschland haben bisher keine akute Versorgungsnot erlebt, sondern „nur“ einen Preisschock – die Energie kommt, sie ist nur deutlich teurer. 

Die schlechte Nachricht: 

Genau dieser Preisschock trifft besonders die Menschen, die ohnehin wenig finanziellen Puffer haben. Für sie werden Mobilität, Heizung und gutes Essen schnell zu Themen, über die man sich jeden Monat neue Sorgen machen muss.


Warum "Gemeinsam Resilient" kein Luxus, sondern Vorsorge ist

Community-Resilienz wird international als die Fähigkeit einer Gemeinschaft beschrieben, Krisen zu überstehen, sich anzupassen und sich zu erholen, ohne dass das Leben dauerhaft aus den Fugen gerät. 

Dazu gehören stabile Beziehungen, lokale Ressourcen, gemeinsames Wissen und Strukturen, die nicht sofort zusammenbrechen, wenn globale Systeme wackeln.
In Hamburg entstehen bereits Formate wie Resilienz-Foren für Unternehmen, Stadtteilprojekte und Nachbarschaftsinitiativen, die die Zukunftsfähigkeit ernst nehmen. 

Gemeinsam Resilient fügt dieser Landschaft etwas Entscheidendes hinzu: 

einen Ort, an dem Menschen nicht als „Kunden“ oder „Zielgruppen“ erscheinen, sondern als Mitgestaltende, die im Garten, in der Küche und in kleinen Alltags Experimenten lernen, wie sie sich gegenseitig durch schwierige Zeiten tragen können.

Diese Art von Resilienz ist wichtig, weil sie dort ansetzt, wo politische Entscheidungen – selbst nach Regierungswechseln – nur begrenzt ankommen: im konkreten Alltag einer Straße, einer Hausgemeinschaft, eines Kiezes. Selbst wenn sich Spitzenpolitik ändern würde, blieben Energieabhängigkeit, globale Lieferketten und strukturelle Ungleichheiten bestehen. 

Das große System dreht sich weiter – die Frage ist, wie gut wir vor Ort mitdrehen können, ohne aus der Kurve zu fliegen.


Warum es wichtig ist, dass wir zusammenkommen

Krisen verstärken Unterschiede: Wer Vermögen, Wissen und Kontakte hat, findet eher Lösungen; wer wenig hat, bleibt schneller auf der Strecke. Der Iran-Krieg ist dafür ein Beispiel: Die EU kann Milliarden an Mehrkosten schultern, während einzelne Familien überlegen müssen, ob sie das Auto noch nutzen oder die Heizung runterdrehen.
Zusammenzukommen – so wie es Gemeinsam Resilient vorschlägt – ist aus mehreren Gründen wichtig:
**Geteilte Last:** 
Wenn Energie, Mobilität und Essen teurer werden, hilft es, wenn sich Menschen zusammentun: mit Mitfahrgelegenheiten, geteilten Werkzeugen, Gemeinschaftsgärten und Foodsharing-Aktionen.
**Geteiltes Wissen:** 
Viele verstehen zwar grob, dass Kriege die Preise erhöhen, aber nicht, wie schnell und über welche Mechanismen das geht. Aufklärung in einfacher Sprache, Workshops und Gespräche nehmen Angst und geben Handlungsoptionen.
**Geteilte Räume:** 
Ein Ort wie Gemeinsam Resilient – oder ein zukünftiges Vereinsheim zwischen HBf und Norderstedt – schafft einen physischen Anker für Menschen, die nicht in Studien oder Denkfabriken vorkommen, aber genauso betroffen sind.
Ohne solche Orte wird Resilienz zur Theorie, die nur diejenigen nutzen können, die sich weiterbilden, Netzwerke pflegen und vielleicht schon Rücklagen haben. 


Gemeinsam Resilient stellt die Frage: 

Was ist mit denen, die keinen einfachen Zugang zu Bildung, Beratung oder finanziellen Reserven haben? Lassen wir sie zurück – oder bauen wir Strukturen, in denen Teilhabe nicht vom Kontostand abhängt? Die Sache ist klar…aber ist es fair??

Es sieht nicht danach aus, dass „sie“ die Weltlage grundlegend ändern – und genau darum geht es

Viele Menschen hoffen immer noch, dass „oben“ jemand den Schalter umlegt: ein anderer Präsident, eine andere Partei, ein neues Abkommen. Doch selbst Analysen aus Politik und Forschung machen deutlich, dass die strukturellen Probleme – Energieabhängigkeit, globale Konkurrenz, technologische Umbrüche – sich nicht einfach „weg regieren" lassen.

Beim Iran-Krieg ist das sichtbar: 

Selbst nach Phasen des Waffenstillstands und Verhandlung Sterben kehren Angriffe, Drohungen und Preisvolatilität zurück. Die Straße von Hormus wird nicht morgen verschwinden, globale Ölpreise bleiben von Konflikten abhängig, und die Rechnung landet am Ende immer irgendwo auch in Hamburg.

Das Ziel von Gemeinsam Resilient ist deshalb nicht, die Weltlage zu reparieren, sondern Menschen zu befähigen, ihr Leben in einer unsicheren Welt besser zu tragen. Das ist keine Kapitulation, sondern eine kluge Form von Verantwortung: anzuerkennen, dass Krisen kommen werden, und frühzeitig Strukturen zu schaffen, die sie erträglicher machen.

Was wir praktisch daraus machen können

Aus der aktuellen Lage ergeben sich für Hamburg und Projekte wie Gemeinsam Resilient mehrere konkrete Linien:

**Bildungsarbeit zu Energie und Kriegen:** 

Menschen brauchen verständliche Erklärungen, wie ein Konflikt am Golf die Preise hier beeinflusst. Nicht, um Angst zu schüren, sondern um klarer zu sehen und bessere Entscheidungen zu treffen – zum Beispiel bei Mobilität, Konsum und politischem Engagement.

**Stärkung von Garten- und Foodsharing-Strukturen:** 

Wenn globale Lieferketten wackeln, ist jeder Quadratmeter Boden, der sinnvoll genutzt wird, ein Beitrag zu Sicherheit, Gemeinschaft und psychischer Gesundheit. Gemeinschaftsgärten sind dabei nicht die Lösung für jede Krise, aber sie sind eine robuste Ergänzung

Die Energiekrise durch den Iran-Krieg ist nur eine Facette eines größeren Bildes: 

Arbeitsmarktveränderungen durch KI, Klimafolgen, soziale Spaltungen.

Gemeinsam Resilient setzt genau dort an, wo diese Themen auf den Alltag treffen – und macht aus der Frage „Was kann ich schon tun?“ eine Einladung: „Komm dazu, wir machen das gemeinsam“




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