Der erste Schritt, um einen Wandel zu bewältigen, besteht darin, nicht so zu tun als fände er nicht statt. Sie fanden schon immer statt, der einzige Unterschied.... zu keiner Zeit waren die Menschen von der Lebensmittelindustrie / Überhaupt Industrien, so abhängig wie heute!
Zugefügt am 20.06.2026
Selenskys aktuelles Ultimatum an Belarus und die jüngsten Aussagen deutscher Militär- und Regierungsvertreter ergeben zusammen ein Bild, das viele Menschen hierzulande mit großer Sorge erfüllt – nämlich die Angst, dass „sie jetzt wirklich anfangen“ könnten, während die Mehrheit der Bevölkerung keinen Krieg will.
Dieses Ultimatum erhöht die Gefahr, dass der Krieg geographisch auf belarussisches Gebiet übergreift – eine Form der Eskalation, die viele internationale Beobachter mit Sorge sehen.
Parallel dazu stehen in Deutschland sehr deutliche Aussagen von Spitzen Militärs und der politischen Führung, die signalisieren: Man will und soll auf einen möglichen Kampf gegen Russland vorbereitet sein.
Wenn man diese beiden Stränge nebeneinander legt – Selenskys Ultimatum an Belarus und die deutschen Kampfbereitschafts-Aussagen – entsteht ein Szenario, das für viele Menschen in Deutschland extrem beunruhigend ist:
Auf der einen Seite:
Auf der anderen Seite:
Zwischen diesen beiden Ebenen entsteht eine Angst Kette:
Die Kombination aus einem sehr scharfen Ultimatum Selenskys, der realen Möglichkeit von Angriffen auf belarussischem Territorium und der offensiven Kampfbereitschafts-Rhetorik deutscher Militärs nährt deshalb genau die Angst, die alle beschreiben: dass „sie jetzt beginnen“ – also ein Schritt zu weit geht – und die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen gestellt wird.
Gleichzeitig betonen Regierungen und NATO immer wieder, dass es um Abschreckung und Verteidigung geht, nicht um einen gewollten großen Krieg mit Russland. (Nur glaubt es kaum einer)
Aber aus Sicht vieler Bürgerinnen und Bürger fühlt sich die Summe aus Ultimaten, Aufrüstungsprogrammen und Kampfbereitschaftserklärungen wie eine gefährliche Annäherung an genau das Szenario, dass sie am meisten fürchten.
Boris Pistorius’ neuer Wehrdienst entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern vor dem Hintergrund einer sich zuspitzenden Sicherheitslage in Europa.
Die Bundesregierung stuft Russland in ihrer ersten Militärstrategie für die Bundeswehr ausdrücklich als „Hauptbedrohung“ ein.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die fortgesetzte Aufrüstung entlang der NATO-Ostflanke und die enge militärische Kooperation zwischen Russland und Belarus bilden den strategischen Rahmen, in dem Deutschland seine Streitkräfte neu ausgerichtet und ausgebaut hat. Belarus spielt dabei eine zentrale Rolle.
Das Land fungiert als militärische Hinterlands Zone für Russland:
Vom belarussischen Gebiet aus werden russische Operationen gegen die Ukraine unterstützt. Präsident Wolodymyr Selensky wirft Belarus vor, entlang der gemeinsamen Grenze technische Anlagen und Relais auf Kommunikation Masten installiert zu haben, die russische Drohnenangriffe auf ukrainische Städte und Zivilisten unterstützen.
In einer Pressekonferenz in Kiew am 19. Juni 2026 stellte Selensky dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko ein einwöchiges Ultimatum:
Innerhalb von sieben Tagen müsse Belarus diese Anlagen entfernen, andernfalls werde die Ukraine sie selbst außer Gefecht setzen.
Dieses Ultimatum richtet sich ausdrücklich gegen die technische Unterstützung Russlands durch Belarus und macht deutlich, wie stark Belarus faktisch in den Krieg hineingezogen ist. Parallel dazu verstärkt die NATO ihre Präsenz an der Ostflanke. Deutschland übernimmt mit einer neuen schweren Kampfbrigade in Litauen eine Schlüsselrolle.
Rund 5.000 Bundeswehrangehörige sollen dauerhaft in Litauen stationiert werden, nahe der Grenze zu Belarus. Der Roadmap zur Stationierung wurde Ende 2023 zugestimmt, die Brigade wird seither schrittweise aufgebaut, übt bereits auf litauischem Boden und gilt als „einmalig“ in der Geschichte der Bundeswehr.
Ziel ist es, durch Präsenz und Einsatzbereitschaft die Abschreckung gegenüber Russland zu stärken und die Sicherheit der baltischen NATO-Partner zu gewährleisten. Mit der „Zeitenwende“ und der neuen Militärstrategie verschiebt Deutschland den Schwerpunkt der Bundeswehr von Auslandseinsätzen zurück zur Landes- und Bündnisverteidigung.
Bis 2029 soll die Bundeswehr nach den Worten von Pistorius „Krieg tüchtig" werden. Leitlinie ist eine Zielgröße von mindestens 260.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten und insgesamt rund 460.000 einsatzbereiten Kräften, wenn die Reserve einbezogen wird. Heute liegt die Zahl der aktiven Soldaten bei gut 180.000, die Reserve soll auf etwa 200.000 ausgebaut werden.
Damit besteht eine Lücke von zehntausenden Dienstposten, die aus Sicht des Verteidigungsministeriums relativ schnell geschlossen werden muss, um NATO-Verpflichtungen an der Ostflanke und im gesamten Bündnis zu erfüllen.
Genau hier setzt der von Pistorius vorgestellte „Neue Wehrdienst“ an.
Das Modell orientiert sich in Teilen an skandinavischen Vorbildern:
Es sollen allen jungen Männern und Frauen Fragebögen zugesandt werden, mit denen Interesse und Eignung für den Dienst in der Bundeswehr abgefragt werden. Für Männer ist das Ausfüllen verpflichtend, für Frauen freiwillig.
Geeignete Interessierte werden anschließend zur Musterung eingeladen, der Wehrdienst bleibt in dieser ersten Stufe formal freiwillig. Ziel ist es, bis Ende des Jahrzehnts schrittweise deutlich mehr Freiwillige zu gewinnen und die Zahl der aktiven Soldaten bis 2035 auf etwa 260.000 zu erhöhen.
Gleichzeitig ist im Gesetzentwurf eine klare Pflicht Komponente angelegt. Pistorius strebt zwar „einen neuen attraktiven Wehrdienst“ an, der zunächst auf Freiwilligkeit basiert, doch soll im selben Gesetz eine Wehrpflicht-Option verankert werden. Wenn die Zahl der Plätze in den Kasernen größer ist als die Zahl der Freiwilligen oder wenn die Sicherheitslage höhere Zahlen erfordert, sollen Kabinett und Parlament einen Mechanismus aktivieren können, mit dem Teile eines Jahrgangs verpflichtet werden.
Diskutiert werden Modelle, in denen über Losverfahren oder definierte Kriterien entschieden wird, welche jungen Männer – und perspektivisch möglicherweise auch Frauen – zum Dienst herangezogen werden.
Ab 2028 ist zudem vorgesehen, dass alle 18-jährigen Männer zu einer verpflichtenden Musterung geladen werden, selbst wenn sie sich nicht freiwillig für den Wehrdienst entscheiden.
Der Hintergrund dieser Konstruktion ist die anhaltende Personalknappheit der Bundeswehr. Seit Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahr 2011 gelingt es nicht, die gewünschte Zahl an Freiwilligen zu gewinnen. Die Wehrbeauftragte des Bundestags kritisiert seit Jahren, dass die Bundeswehr zu wenig Personal hat, um ihre gewachsenen Aufgaben zu erfüllen.
Pistorius selbst spricht davon, dass die Bundeswehr zusätzlich rund 60.000 aktive Soldatinnen und Soldaten benötigt, um sowohl die neue Militärstrategie umzusetzen als auch die NATO-Forderungen im Konfliktfall zu erfüllen.
Interne Planungen gehen davon aus, dass der bisherige freiwillige Wehrdienst im laufenden Jahr etwa 15.000 Dienstleistende hervorbringt. Mit dem neuen Wehrdienst soll diese Zahl zunächst um 3.000 bis 5.000 pro Jahr steigen, um dann ab 2031 bis zu 40.000 Wehrdienstleistende pro Jahr zu erreichen.
Selbst bei optimistischen Annahmen bezeichnet der Reservistenverband dieses Wachstum jedoch als „Schneckentempo“, das ohne zusätzliche Instrumente kaum ausreichen dürfte, um die Zielzahlen zu erreichen.
Die Kombination aus Bedrohungslage im Osten, massiver personeller Aufstockung und dem neuen Wehrdienst mit Pflichtoption legt eine bestimmte Deutung nahe:
Ein erheblicher Teil der künftigen Wehrdienstleistenden und Berufssoldaten wird für Aufgaben eingesetzt werden, die unmittelbar mit der Sicherung der NATO-Ostflanke zu tun haben. Dazu zählen die dauerhaft stationierte Brigade in Litauen nahe der Grenze zu Belarus, verstärkte Präsenz in anderen osteuropäischen NATO-Staaten, die Sicherung von Nachschub- und Kommunikationslinien sowie die Vorbereitung auf hybride und konventionelle Bedrohungen durch Russland.
Die Planungen der Bundeswehr, Szenarien, in denen Russland ab Ende der 2020er-Jahre einen Angriff gegen NATO-Staaten führen könnte, ernsthaft durchzuarbeiten, verstärken diesen Eindruck.
Offiziell begründet die Bundesregierung den neuen Wehrdienst mit der Notwendigkeit, Landes- und Bündnisverteidigung verlässlich sicherzustellen, Deutschland krisenfest und „Kriegs tüchtig" zu machen und die NATO-Partner, insbesondere im Osten, zu schützen. Die Bedrohung durch Russland und die Kooperation mit Belarus werden explizit als Gründe genannt, warum Deutschland künftig deutlich mehr in den Ausbau der Bundeswehr investieren und verlässlichen Personalaufwuchs sicherstellen müsse.
Das Modell ist so angelegt, dass Freiwilligkeit zunächst im Vordergrund steht, aber von Beginn an rechtliche Mechanismen bereitstehen, mit denen junge Menschen verpflichtet werden können, wenn die freiwilligen Meldungen nicht ausreichen.
Vor diesem Hintergrund liegt die Vermutung nahe, dass der neue Wehrdienst und die geplanten Pflichtanteile nicht nur abstrakt der „Landesverteidigung“ dienen, sondern konkret darauf zielen, innerhalb weniger Jahre deutlich mehr Menschen für Aufgaben zu gewinnen, die insbesondere im Osten Europas anfallen – von Litauen bis an die Grenzen zu Belarus. Auch wenn Pistorius dies in dieser Schärfe nicht ausspricht, zeigt die Kombination aus Bedrohungsanalyse, Ostflanken-Projekten, Personalzielen und gesetzlicher Verankerung von Verpflichtungs Möglichkeiten, dass die Bundeswehr in relativ kurzer Zeit mehr Personal für genau jene Räume bereitstellen will, in denen sich die Spannungen zwischen Russland, Belarus, der Ukraine und der NATO bereits heute konzentrieren.
Hier eine Tabelle mit den wichtigsten Links, sortiert nach Themenbereich.

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