Von jojo
21 Minuten Lesezeit
06 Jun
06Jun



Wichtiger Hinweis

Wir sind keine Ärztinnen und Ärzte, sondern eine Gemeinschaft von Menschen, die Erfahrungen und Informationen austauschen. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information. Er ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bitte treffen Sie keine Entscheidungen allein auf Grundlage dieses Artikels. Bei gesundheitlichen Fragen


Worum geht es eigentlich – und warum wir über Ultra‑verarbeitete Lebensmittel sprechen sollten

Hochverarbeitete Lebensmittel sind in unserem Alltag nach wie vor fest verankert. Sie begleiten uns beim Frühstück, als Snack zwischendurch, am Feierabend oder in der Eile. Häufig


Was sind ultraverarbeitete Lebensmittel eigentlich?

Was genau?

Ultra‑verarbeitete Lebensmittel (kurz UPF, von englisch „ultra‑processed food“) sind Produkte, die in mehreren industriellen Verarbeitungsschritten hergestellt werden und viele Zusatzstoffe wie Aromen, Farbstoffe, Emulgatoren, Süßstoffe und Konservierungsmittel enthalten. Das sogenannte NOVA-System – ein international genutztes Einteilungssystem für Lebensmittel

Welche Produkte zählen dazu?

Typische Beispiele sind:

  • Softdrinks, Energy Drinks und gezuckerte Getränke
  • Süßwaren, Schokoriegel und Kekse
  • Salzhaltige Snacks wie Chips, Flips und Cracker
  • Fertiggerichte und Instantsuppen
  • Süßspeisen und fertig-Desserts
  • Viele Frühstücksflocken
  • Verarbeitete Wurstwaren
  • Manche Brot- und Backwaren aus industrieller Produktion
  • Viele Produkte „to go“ aus Fast-Food-Ketten


Diese Lebensmittel sind meist billig, überall verfügbar, lange haltbar und so gestaltet, dass sie besonders „praktisch“ sind.




Wie wirkt sich der Konsum von UPF auf Gehirn und Körper aus?

Was passiert?

Ultraverarbeitete Lebensmittel haben häufig eine hohe Energiedichte: Viele Kalorien bei wenig Volumen. Das bedeutet, der Mensch nimmt schnell viel Energie auf.

  • Sie enthalten viel Zucker, ungesunde Fette (gesättigte Fette und teilweise Transfette) und Salz – aber wenig Ballaststoffe, Vitamine und Sekundärstoffe
  • Durch ihre weiche oder leicht zu essende Textur essen oder trinken wir sie schnell, ohne richtig satt zu werden.
  • Aromen, Süßstoffe und Zusatzstoffe können dazu führen, dass wir das natürliche Sättigungsgefühl schlechter wahrnehmen
  • Der hohe Zuckergehalt aktiviert das dopaminerge Belohnungssystem im Gehirn – ein Mechanismus, der zu gewohnheitsmäßigen Konsum führen kann.


Wie zeigt sich ein hoher UPF-Konsum im Alltag?

Anzeichen können sein:

  • Vermehrte Heißhungerattacken und Schwankungen im Blutzuckerspiegel
  • Ständiges Verlangen
  • Übergewicht oder unerklärliche Gewichtszunahme trotz normaler Ernährung
  • Müdigkeit, Energielöcher und Konzentrationsprobleme im Tagesverlauf
  • Verdauungsbeschwerden und ein gestörtes Darmgefühl



Wie viele UPF-Lebensmittel gibt es in Deutschland?

Wie hoch ist der Anteil in unserer täglichen Ernährung?

In Deutschland stammen Schätzungen zufolge rund 40 % der täglichen Kalorien aus hoch verarbeiteten Lebensmitteln. Besonders hoch ist der Anteil bei Softdrinks, Süßwaren, Fertiggerichten, verarbeiteter Wurst und salzigen Snacks. Dieser hohe Anteil von Ernährungsfachkräften und Gesellschaften wie der DGE als problematisch bewertet –

Warum sind UPF so präsent in unserem Alltag?

  • Sie sind vergleichsweise günstig und in jedem Supermarkt, an jeder Tanke und in vielen Gastronomiebetrieben verfügbar.
  • Sie sind gezielt so entwickelt, dass
  • Durch aggressive Marketingstrategien werden sie besonders Kindern und Jugendlichen schmackhaft gemacht.
  • Die Industrie investiert Milliarden in Produktentwicklung, Verpackung und Werbung – während frische, unverarbeitete Lebensmittel deutlich weniger Marketingbudget haben.



Welche gesundheitlichen Risiken sind mit einem hohen UPF-Konsum verbunden?

Welche Krankheiten werden mit Beobachtungsstudien aus verschiedenen Ländern zeigen: Ein hoher Konsum von hoch verarbeiteten Lebensmitteln steht in engem Zusammenhang mit einer Reihe von Gesundheitsproblemen. 

Dazu zählen:

  • Übergewicht und Adipositas
  • Typ-2-Diabetes
  • Herz‑Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und ungünstige Blutfettwerte
  • Krebsarten
  • Depressionen und psychische Belastungen
  • Erste Hinweise auf einen Zusammenhang mit Demenz und kognitiven Beeinträchtigungen


Wie wirkt sich Zucker und Fett in UPF zusätzlich aus?

Viele UPF enthalten zusätzlich viel freien Zucker und ungünstige Fette. Der Zucker fördert Entzündungen im Körper und sorgt für starke Blutzuckerschwankungen. Die ungünstigen Fette können langfristig zu Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. In-Verbindung-mit Alkohol in Produkten wie z.B. bestimmten Desserts oder Sauerkraut Zubereitungen verstärkt der negative Effekt zusätzlich.


Was sagen Fachgesellschaften und die WHO?

Was empfiehlt die DGE?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht den hohen Konsum von UPF kritisch und empfiehlt, den Anteil dieser Produkte in der Ernährung möglichst zu reduzieren. Besonders problematisch sind stark gezuckerte Getränke, Süßwaren und verarbeitete Fleischprodukte.

Was sagt die WHO?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor den Gesundheits-Folgen eines hohen Verbrauchs Ultra verarbeiteter Lebensmittel.


In welchen Lebensmitteln versteckt sich UPF – Beispiele aus dem Alltag?

In

Hochverarbeitete Komponenten finden sich häufig in Produkten, in denen man sie nicht unbedingt erwartet: Fertige Saucen und Dressings, Suppen aus dem Beutel, Backmischungen, Fertig-Omeletts, „proteinreiche“ Riegel, Kindersnacks und viele Produkte, die als „gesund“ beworben werden, obwohl

Wie erkennt man UPF in Lebensmittelkennzeichnungen?

UPF erkennt man oft an einer sehr langen Zutatenliste mit vielen Zutaten, die man zu Hause nicht verwendet – z.B. Glukose-Fruktose-Sirup, modifizierte Stärke, Maltodextrin, verschiedene Emulgatoren, Farbstoffe (E-Nummern),


Wären wir ohne UPF besser dran?

Welche positiven Effekte hat eine Reduzierung von UPF?

Eine bewusste Reduktion ultra verarbeiteter Lebensmittel kann unter anderem zu besserem Schlaf, stabilerer Stimmung, mehr Energie im Alltag, stabilem Blutzucker und einem geringeren Krankheitsrisiko führen. Menschen, die mehr frisch zubereitete Mahlzeiten essen, berichten häufig von mehr Vitalität und einem besseren Verdauungsgefühl.

Wie kann die Rolle von UPF im Alltag reduziert werden?

Konkrete Ansätze sind:

  • UPF als Ausnahme statt als täglichen Standard betrachten
  • Süße Getränke, Fertiggerichte und Süßwaren Schritt für Schritt reduzieren
  • Wählen Sie Frisches Obst statt Chips oder Riegeln als Snack
  • Selbstgemachte Saucen und Dips statt Fertigprodukte verwenden
  • Wasser oder ungesüßten Tee statt Softdrink trinken
  • Haferflocken oder Müsli ohne Zusatzstoffe statt zuckerhaltiger Cerealien


Was für Menschen mit kleinem Budget?

Es stimmt, dass UPF oft günstiger sind als frische Lebensmittel. Dennoch gibt es Wege, frische Ernährung auch bei kleinem Budget umzusetzen:

  • Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Haferflocken und saisonales Obst und Gemüse sind vergleichsweise günstig
  • Das eigene Anbauen von Kräutern oder Gemüse auf dem Balkon spart Geld und erhöht die Frische
  • Foodsharing-Initiativen und Tafeln können helfen, frisches Obst und Gemüse kostenlos oder kostengünstig zu erhalten




Noch einmal der Hinweis zum Schluss

Dieser Artikel fasst Forschungsergebnisse und Empfehlungen von Organisationen wie der WHO und der DGE zusammen. Er dient ausschließlich der Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden, Vorerkrankungen oder Ernährungsfragen wende dich bitte an einen Arzt, einen Ernährungsberater oder eine qualifizierte Fachperson.

Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, wie du deine Ernährung resilienter gestalten kannst oder welche konkreten Schritte im Alltag sinnvoll sind, schau auf unserer Seite unter gesünderem Leben vorbei.


(ZUM GARTENPROJEKT)



Weitere Infos:

ThemaQuelle/InstitutionLinkKurzbeschreibung
Überblick gesundheitliche Folgen von UPFDeutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)https://www.dge.de/presse/meldungen/2023/wie-wirken-stark-verarbeitete-lebensmittel-auf-die-gesundheit/ DGE-Steckbrief: Datenlage zu Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Risiko und Sterblichkeit bei hohem UPF-Konsum. 
Verarbeitung & Einordnung hochverarbeiteter LMMax Rubner-Institut (MRI)https://www.mri.bund.de/de/veroeffentlichungen/wissenschaftliche-einordnung/verarbeitungsgrad-von-lebensmitteln/ Wissenschaftliche Einordnung des Verarbeitungsgrades und Zusammenhänge mit Erkrankungen. 
NOVA-KlassifikationWikipedia (NOVA-System)https://de.wikipedia.org/wiki/NOVA_(Lebensmittelklassifikation) Erklärung der vier NOVA-Gruppen und Hintergrund der Klassifikation. 
Praxisnaher Überblick zu UPFApotheken Umschauhttps://www.apotheken-umschau.de/gesund-bleiben/ernaehrung/hochverarbeitete-lebensmittel-wie-sie-die-gesundheit-beeinflussen-980 Laienverständliche Einführung, Beispiele und gesundheitliche Auswirkungen von hochverarbeiteten Lebensmitteln. 
UPF – aktueller Fachdiskursfet-ev (Forschung, Ernährung, Therapien)https://fet-ev.eu/upf-ultra-processed-food/ Fachliche Diskussion des UPF-Konzepts, Studienlage und Kontroversen. 
UPF und HirngesundheitDeutsche Hirnstiftung / DGNhttps://hirnstiftung.org/ultrahochverarbeitete-lebensmittel/ Fokus auf Demenz, Parkinson, Schlaganfall, inklusive Überblick aktueller Studien. 
UPF und psychische/chronische ErkrankungenAOK Gesundheitsmagazinhttps://www.aok.de/pk/magazin/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/hochverarbeitete-lebensmittel-wenige-naehrstoffe-viele-kalorien/ Zusammenhang von UPF mit Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und psychischen Erkrankungen, allgemeinverständlich aufbereitet. 
Medienbeitrag: Was zählt zu UPF?BR Bayern 1https://www.br.de/radio/bayern1/ultra-processed-food-100.html Einordnung, Beispiele aus dem Alltag und Einschätzung einer Ernährungswissenschaftlerin. 
UPF – unterschätztes GesundheitsrisikoMedical Tribunehttps://medical-tribune.ch/news/medizin/4000144039/hochverarbeitete-lebensmittel-upfs-ein-unterschaetztes-gesundheitsrisiko/ Überblick über neue Studien, Risikoerhöhungen und besonders kritische Produktgruppen. 
Bericht zu Gesundheitsrisiken & LebenserwartungTagesschauhttps://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/lebensmittel-hochverarbeitet-softdrinks-chips-ernaehrung-100.html Journalistischer Überblick: Mehr als 30 Gesundheitsrisiken und geringere Lebenserwartung bei hohem UPF-Konsum. 






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